Ein Sport-Event wie die Hamburgiade lässt viel Platz für grosse und kleine Geschichten, Erlebnisse und Blickwinkel. Wir haben mit 6 Menschen Interviews geführt, um ihren Blickwinkel auf den Sport im Allgemeinen und die Hamburgiade im Speziellen einzufangen. Heute: Bernd Meyer, Präsident des Hamburger Betriebssportverbandes und Vieze Präsident des Deutschen Betriebssportverbandes.

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Herr Meyer, sind Sie mehr so der Vollblutsportler oder der „Mit-dem-inneren-Schweinehund-Kämpfer“?

Ich bin fast 40 Jahre Vollblutbetriebssportler gewesen. Nach einer Sportverletzung musste ich dann aber kürzer treten. Jetzt mache ich noch ein bisschen Ausdauersport.

Was war Ihr größter sportlicher Erfolg?

Das war definitiv, meinen inneren Schweinehund immer wieder zu überwinden. Ich habe Bowling gespielt, Tischtennis, Tennis und Skat. Ich war einfach nie der Siegertyp in einer Sportart. Für mich war es immer wichtiger, nicht hinterher zu laufen. Wenn ich im oberen Drittel lag, war ich immer zufrieden.

Hier gibt es ja heute total viele unterschiedliche Sportarten: Radsport, Kegeln, Schach, Handball, Triathlon, Casting. Was glauben Sie, in welcher Sportart wird am meisten gekämpft?

Ich glaube in den Radrennen liegt der größte Kampf. Da finden gleichzeitig zur Hamburgiade auch die Deutschen Meisterschaften auf Betriebssportebene statt – jedes Jahr. Und es gibt seit vielen Jahren ein sogenanntes Unified-Radrennen – für Menschen mit geistiger Behinderung, aus dem Bereich Special-Olympik. Wenn Sie erleben, wie dort gekämpft wird: Das ist begeisternd.

Warum haben Sie sich an der Hamburgiade beteiligt?

Ich glaube, die Hamburgiade ist eine großartige Möglichkeit, den Hamburger Betriebssport noch mehr in das Bewusstsein der Hamburger Betriebe zu bringen. Betriebssport ist einfach gesund, hilft dem Team-Building in den Unternehmen aber darüber hinaus schafft es auch die Möglichkeit, betriebliche Gesundheitsförderung mitzugestalten und zu unterstützen. Und letztlich ist die Hamburgiade für die Betriebe eine Werbeveranstaltung, die man sich besser gar nicht wünschen kann.

Hamburg hat als Sportstadt in letzter Zeit ja einige Rückschläge hinnehmen müssen, Stichwort Olympia-Bewerbung, HSV Handball und kürzlich die Pleite der Freezers. Warum ist Hamburg in Ihren Augen dennoch eine erfolgreiche Sportstadt?

Wir sind einfach eine sportive Stadt, mit vielen Vereinen und einem sehr aktiven Betriebssport. Ich glaube nicht, dass man an wenigen Großereignissen festmachen kann, dass wir keine Sportstadt mehr sind. Ich glaube der Profisport hat zunehmend Schwierigkeiten, sich zu finanzieren. Ich kann als Unternehmen nicht bei meinen Mitarbeitern kürzen – was ja überall passiert – und dann Millionen in den Profisport pumpen. Dann passen die Dinge einfach nicht mehr zueinander.

Was kann man aus Niederlagen lernen?

Man lernt, dass man weiter machen muss. Man muss aber auch für sich analysieren, was man möglicherweise falsch gemacht hat.

Und warum fühlt sich Gewinnen so toll an?

Das ist einfach ein Ausstoß von Endorphinen und das fühlt sich gut an. Als ich vor einigen Jahren wieder anfing zu laufen, da war das für mich ein wahnsinniges Hochgefühl, als ich endlich wieder meine Zeit erreicht hatte. Da saß ich anschließend im Auto und war so euphorisch, dass ich viel zu schnell unterwegs war. Das war ein riesen Schub. Und ich weiß immer noch genau, wie sich das damals angefühlt hat. Erfolg kann man immer auch nachspüren. Man vergisst ihn nicht.

Was macht die Hamburgiade anders als andere Betriebssportveranstaltungen?

Die Hamburgiade ist innerhalb weniger Monate von einem Team von jungen Menschen organisiert worden. Und die wollten es einfach und haben gesagt: „Wir machen das jetzt!“ Und so verbindet die Hamburgiade nun 25 verschiedenen Sportarten miteinander und bildet eine Klammer. Das für mich irre, ist dieses unbelastete, was junge Menschen offensichtlich auszeichnet: Die rennen mit ganz viel Energie los und machen Dinge möglich. Und das ist fantastisch.

Was war für Sie Ihr schönster Moment auf der Hamburgiade?

Als ich am Samstag bei strahlendem Sonnenschein die Sydneystraße hoch gegangen bin und mir die ganzen Radfahrer entgegen kamen: Das war eine Wahnsinns-Kulisse und ich habe nur begeisterte Leute gesehen.

Das Interview führte Julia Kottkamp (www.juliakottkamp.de)
– freie Autorin und Kommunikationsberaterin –
vom Online Magazin www.40stunden.de