Ein Sport-Event wie die Hamburgiade lässt viel Platz für grosse und kleine Geschichten, Erlebnisse und Blickwinkel. Wir haben mit 6 Menschen Interviews geführt, um ihren Blickwinkel auf den Sport im Allgemeinen und die Hamburgiade im Speziellen einzufangen.

Und als nächster kommt Torsten Statz, Initiator der privaten Initative „Wir fahren fürs Leben“.

Herr Statz, sind Sie mehr so der Vollblutsportler oder der „Mit-dem-inneren-Schweinehund-Kämpfer“?

Vollblutsportler! Ich arbeite nebenbei als Cycling- und Spinning-Coach.

Was war bislang ihr größter sportliche Erfolg?

Mein größter sportlicher Erfolg war 1973 die Teilnahme am Marathon in Kiel.

Das heißt Laufen und Radfahren sind Ihre Sportarten, hier auf der Hamburgiade?

Ja, genau. Und Schwimmen mag ich auch.

Dann sind Sie doch der geborene Triathlet. In welcher Sportart auf der Hamburgiade steckt wohl die größte Kampfsau?

Die größte Kampfsau steckt im Marathon oder im Triathlon. Da ist die Herausforderung an den Körper einfach am Größten. Deswegen betreibe ich selber
auch keinen Triathlon mehr. Das war früher.

Warum sind haben Sie sich an der Hamburgiade beteiligt?

Ich wurde angesprochen, ob ich nicht mit meiner Initiative „Wir fahren fürs Leben“ den Charity-Gedanken einbringen könnte. „Wir fahren fürs Leben“ ist eine private Initiative, die einmal im Jahr einen Indoor-Cycling-Marathon startet, bei dem Spenden gesammelt werden. Die Idee ist, dass die Teilnehmer sich an einem Tag für ein konkretes Hamburger Projekt abstrampeln sollen. Bei den Events an sich entstehen keine Kosten, weil alle Beteiligten ehrenamtlich arbeiten. So können wir das gesammelte Geld vollständig an die Projekte und Institutionen übergeben.

Wenn man jetzt mal vom Breitensport in Richtung des Profisports schaut, kann man glaube ich sagen, dass Hamburg in der letzten Zeit als Sportstadt einige Niederlagen hinnehmen musste. Hat Hamburg den Titel „Sportstadt“ nach wie vor verdient?

Ich denke ja, denn es gibt hier genug Möglichkeiten, Sport zu treiben – selbst ohne Verein und ohne Fitnessstudio. Wir haben riesige grüne Flächen zum Laufen und auch genügend Orte zum Schwimmen. Das liegt aber alles fernab von dem ganzen kommerziellen Sport. Mir war und ist Olympia total egal. Die Olympiade ist tot, weil sie zu kommerzialisiert ist. Eishockey ist tot, weil es zu kommerzialisiert ist. Wir müssen uns darauf besinnen, dass wir Sport wieder um des Sportes Willen machen. Mich interessieren nicht 10,0 oder 9,9 Sekunden. Mich interessiert, wer als erstes ins Ziel kommt. Es geht vor allem um den Spaß an der Bewegung.

Was würden Sie sagen, lernt man aus Niederlagen?

Aus Niederlagen lernt man, dass man sich auf die Basics besinnen muss – auf die Grundlagen eben. Das muss auch Hamburg jetzt lernen. Den Profisport kann es nur geben, wenn ich den Menschen auch den Breitensport anbiete und ihnen zeige, wie sie dort Spaß haben. Jeder muss für sich seine Sportart finden.

Warum ist gewinnen so geil?

Für mich ist gewinnen nicht geil. Mitmachen ist geil.

Warum sollten im nächsten Jahr noch mehr Leute zur Hamburgiade kommen?

Weil sie dazu anregt, hier eine Sportart zu finden, die einem liegt. Hier kann man sich einiges angucken und man kann es ganz einfach für sich testen. Und wenn es einem
Spaß macht, kann man einfach weiter machen – am besten mit gutem Trainer und einem Team.

Was macht die Hamburgiade in Ihren Augen anders als andere Betriebssportveranstaltungen?

Ich mag den Gedanken, alle Sportarten in einem großen Event stattfinden zu lassen. So können sich auch die Beteiligten aus den einzelnen Sportarten mal untereinander austauschen. Der ganze Betriebssport erinnert mich ehrlich gesagt ein bisschen an diese drögen, verpennten und verpeilten Typen – so Funktionäre, die es sich in ihrem kleinen Betrieb gemütlich gemacht haben. Die wissen oft gar nicht, was man alles machen könnte. Die Hamburgiade ist vielleicht ein Punkt, wo man mal sagen kann: „Hey komm, lass uns mal was reißen!“

Was war für Sie Ihr schönster Moment auf der Hamburgiade?

Ganz bescheiden sage ich da: unsere Veranstaltung. Die Beteiligung war zwar nicht so gut aber wir haben trotzdem sechs Stunden Marathon gemacht und alle die da waren, hatten sehr viel Spaß.

 

Das Interview führte Julia Kottkamp (www.juliakottkamp.de)
– freie Autorin und Kommunikationsberaterin –
vom Online Magazin www.40stunden.de